Theaterlexikon: A

A wie Aberglaube

Pfeifen oder essen auf der Bühne? Tabu. Zum falschen Zeitpunkt klatschen, über die falsche Schulter spucken oder auf ein „Toi toi toi“ mit Danke antworten – geht gar nicht. Das drohende Unglück, das ein heruntergefallenes Textbuch nach sich ziehen könnte, ist nur noch abzuwenden, indem man es dreimal tritt. Und keinesfalls sollte „Macbeth“ in Bühnennähe laut ausgesprochen werden. Da bezieht man sich besser auf „dieses schottische Stück“. Die Arbeit am Theater wird von Ritualen und Verboten bestimmt, die mindestens genauso alt sind wie der Beruf des Schauspielers. Einige werden heute noch penibel eingehalten, andere nur noch von besonders abergläubischen Schauspielern beachtet.

Aber leichtfertig begeht niemand eine Premiere oder eine andere Vorstellung, in der alles live ist und bis ins kleinste Detail abgestimmt sein und funktionieren muss. Eine gewisse Nervosität und eine große Ehrfurcht schwingen immer mit. Manche dieser Ge- und Verbote lassen sich ganz einfach begründen, wenn man sie zurückverfolgt. Dass das Pfeifen im Bühnenraum verboten ist, kommt wahrscheinlich aus der Zeit, in der die Theater noch mit Gaslampen beleuchtet wurden. Wenn eine Lampe undicht war und das Gas heraustrat, gab es ein pfeifendes Warngeräusch. Und mit „Toi Toi Toi“ wurde vermutlich der Teufel verjagt, von der linken Schulter gespuckt (übrigens wird erst gespuckt, wenn der Schauspieler bereits in Maske und Kostüm ist!). Und wer sich im Zusammenhang mit dem Teufel bedankt, ist – nun ja – selbst des Teufels.

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