Inspiration Istanbul

Sina Barbra Gentsch hat mit uns über ihre Arbeit an SCHNAPSBUDENBESTIEN gesprochen.

Sie denkt am liebsten mit dem Stift. Sina Barbra Gentsch ist Bühnenbildassistentin. Für die vierteilige Theaterserie SCHNAPSBUDENBESTIEN. DER FALL EINER FAMILIE hat sie die Bühnenbilder entwickelt. Im MK Blog zeigt sie ihre Skizzen.

Bühenbildskizze SCHNAPSBUDENBESTIEN Folge 2 Etienne

Bühnenbildskizze SCHNAPSBUDENBESTIEN Folge 2 Etienne

Bühnenbildskizze SCHNAPSBUDENBESTIEN Folge 3 Jaques

Bühnenbildskizze SCHNAPSBUDENBESTIEN Folge 3 Jaques

 

 

 

 

 

 Anfangs wolltest du uns die Skizzen zu SCHNAPSBUDENBESTIEN lieber nicht geben. Warum hast du gezögert?
Man will ja etwas von seiner Arbeit zeigen, das fertig und in sich stimmig ist. Diese Skizzen sind aus dem Entwicklungsprozess herausgegriffen und bilden einen Zwischenstand ab. Sie sind eigentlich ein Blick in meine Art zu Denken, also sehr persönlich. Außerdem habe ich die Skizzen meines Professors vor Augen, die ganz fantastisch und sehr ausgearbeitet sind.

Wir möchten den ersten Schritten in Richtung Bühnenbild nachgehen. Bei dir fängt die Ideenentwicklung erst vor dem Blatt Papier an?
Eigentlich beginne ich erst in dem Moment mit dem Denken, wenn ich den Stift das erste Mal ansetze. Ich denke durch das Skizzieren nach, dann tauchen Worte auf und es entstehen Bilder. Ich mag Zeichnungen mehr als Worte, die Linien helfen mir, etwas zu formulieren, was vorher vage und unbestimmt war.

Und wie hast du dich dem Stoff angenähert? Gab’s erstmal Schnaps?
Es gab leider gar keinen Schnaps (lacht). Nein, stimmt nicht. Bei der ersten Performance HUGO BALL BAR gab’s eine Runde. Wenn ich mal beim Denken nicht weiter komme, dann hilft mir auch einfach Spazierengehen. Erstmal habe ich Zusammenfassungen der Romane von Émile Zola vom Regisseur Matthias Günther bekommen, und damit habe ich gearbeitet. Ein paar Wochen später, also eigentlich hatte ich nur drei Wochen Zeit für vier komplette Bühnenbilder, ist er zu mir ins Atelier gekommen und hat sich die Sachen angeschaut. Und er hat gesagt: „Klasse!”

Das Bühnenbild der dritten Folge JACQUES besteht aus Theaterlatten und Energiesparlampen.

Es ist im Grunde ein Bazar. Das Bühnenbild heißt Bazaristan. In der dritten Folge geht es um die emotionalen Ressourcen, die gehandelt werden. Ich wollte eine offengelegte Struktur des Handels zeigen, des Verhandelns. Wo es auch darum geht, Preise runterschrauben zu wollen und Sachen anzupreisen. Es gibt auch noch eine zweite Wand hinter den Theaterlatten mit  semitransparenter Folie, die Gassen bilden. Bazaristan steht für mich auch für einen weltweiten Schwarzmarkt. Die Idee dazu haben mir die Märkte in Istanbul gegeben. Ich habe ein halbes Jahr dort gelebt und hatte diese Basare und den Fischmarkt vor Augen. Dort hängt über jedem Tisch eine Energiesparlampe, ganz wunderbar kunstvoll verdrahtet. Da bin ich immer wieder gewesen. Ich will’s ja eigentlich nicht verraten, aber das ist mein Liebling der vier Bühnenbilder.

Das Ganze wirkt sehr reduziert. War das eine Vorgabe, oder warst du in der Umsetzung frei?
Ich war eigentlich frei. Aber ich wusste natürlich, dass es in Reihe spielt und es daher wenig Umbauzeiten gibt. Alles muss sich gut auf- und abbauen lassen. Das entspricht aber auch meinem Ansatz, die Skizze als ästhetische Vorgabe zu sehen. Ich wollte nur eine Skizze machen und keine ausformulierte, opulente Malerei. Daran mag ich, dass es auf die Linienführung ankommt und man sehr genau auf den Punkt kommen muss. Wenn man diesen Punkt trifft, reicht auch eine Skizze.

Ähnlich reduziert sieht es ja auch in Folge 2 aus.
Da reichen mir 8 Bütec-Podeste, das sind Standardaufbauten in der Veranstaltungstechnik. Ich dachte wochenlang, dass diese Fläche hängen müsste. Nach zwei Wochen war mir aber klar, dass es andersrum sein muss, dass sie stehen muss. Das ist zum Glück auch viel leichter zu bauen (lacht). Es spielt dort eben viel unter der Oberfläche, in diesem Unterraum. Und dann gibt es noch Lampen und Drehstühle. Aber das ist ja eigentlich Requisite.

Wenn die Idee steht und die Skizzen da sind, wie geht es dann weiter?
Dann baue ich ein Modell für die Modellpräsentation. Die findet mit den Kollegen der technischen Werkstätten, mit der Lichtabteilung und dem Bühneninspektor statt. Also mit allen Jungs von der Technik (lacht). Und die überlegen sich dann, wie sie es bauen. Das ist schon sehr aufregend, wie das dann Form annimmt. Danach steht die Bauprobenvorbereitung an, nach der die richtige Bauprobe auf der Bühne im Werkraum gemacht wird. Wenn dann alle Fragen geklärt sind, ist es soweit. Werkstattabgabe. Dann fangen die Werkstätten an zu bauen.

Musstest du überzeugt werden, eigene Bühnenbilder zu gestalten, oder kam die Möglichkeit gerade zur rechten Zeit?
Es ist an der Zeit! Ich scharre schon lange mit den Hufen, endlich eigene Bühnenbilder zu machen. Und wir haben ja auch noch einiges vor im LABORATORIUM, und nicht nur dort…

Interview: Jessica Schallock

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