Aus Benny Claessens wird Mosi

In DIE STRASSE. DIE STADT. DER ÜBERFALL. tritt der MK Schauspieler Benny Claessens als Rudolph Moshammer auf. Der verantwortliche Mitarbeiter aus der Maske, Thomas Opatz, hat uns erklärt, wie sich diese unglaubliche Verwandlung vollzieht. Und was es bedeutet, eine Silikonmaske zu tragen, die ein Kilo wiegt…

Benny Claessens - Rudolph Moshammer

 

 

 

Wie lange dauert es, Benny in Moshammer zu verwandeln?
Beim Aufschminken und Aufsetzen der Maske sind wir mittlerweile ziemlich schnell geworden. Inzwischen brauchen wir eine Stunde, zu Beginn waren es eindreiviertel Stunden.
Der Abdruck für die Maske ist dauerhaft, den haben wir währen der Probenzeit im letzten Jahr gemacht. Dabei hat die Herstellungszeit vom Abdruck bis zum fertigen Gesichtsteil dreieinhalb Wochen gedauert. Wir haben fünf Tage die Woche, acht Stunden pro Tag gearbeitet.
Dieser Abdruck muss dann für jede Vorstellung wieder neu ausgegossen werden, das dauert jedes Mal zwei Stunden. Aber das kann ich unabhängig vom Vorstellungstermin machen, die Maske kann auch ein paar Tage fertig herumliegen.
An welcher Stelle wird es besonders knifflig für euch als Maskenbildner?
Wir konnten keinen Gesamtabdruck vom Gesicht machen, weil Benny unter Platzangst leidet. Deshalb haben wir den Abdruck in drei Teile geteilt und die Augen offen gelassen. Normalerweise trägt man das Silikon in drei Schichten auf, und zwar über den gesamten Kopf, das ist weniger aufwendig. Aber das ging in diesem Fall nicht. Die drei Teile haben wir dann am Ende zusammengesetzt.
Wegen der Platzangst war auch das Aufziehen der Maske am Anfang problematisch. Aber mittlerweile ist das Ganze kein Problem mehr für Benny. Wir sind wirklich schnell geworden! Eine Stunde für ein solches Silikonteil, das ist der Wahnsinn. Beim Film wäre man allerdings noch länger beschäftigt. Da kann das Aufschminken einer solchen Maske schon bis zu vier Stunden dauern. Das liegt an den guten Kameras von heute – in HD sieht man einfach jeden Puderkrümel. Im Theater haben wir da Glück. Wegen der Entfernung können wir einiges vermauscheln und es fällt dem Publikum nicht auf. Unsere Arbeit ist schon entspannter als beim Film.
Wie viele Materialien braucht ihr ungefähr und was genau?
Zum Aufschminken nehmen wir einen speziellen Silikonkleber, der wird auf das Gesicht und auf das Silikonteil, also auf die Maske, aufgetragen. Normalerweise muss man den Kleber nur auf die Haut auftragen, aber da Benny auf der Bühne recht stark schwitzt, und weil er ja erst nach zwei Stunden richtig anfängt zu spielen und sich zu bewegen, muss es schon sehr fest sitzen.
Die Ränder, die es dann an den Seiten des Gesichts gibt, blenden wir aus. Überstippeln heißt das. Dazu benutzen wir einen angedickten Acrylkleber, Pross-Aid-Cream. Koloriert wird das Ganze mit Alkoholfarbe. Und dann fehlen nur noch die Augenbrauen, der Bart und die Kaufhausperücke.
Darf er einen eigenen Bart haben?
Das ist eher schlecht. Man kann zwar einen haben, aber das ist dann natürlich schmerzhafter beim Abreißen. Wir kleben ja auch auf Augenbrauen drauf, möglich ist es schon…
Also erleidet er keine allzu großen Schmerzen beim Abreißen?
Nein! Er steht ja auch in dem Moment unter so viel Adrenalin, da bekommt man, denke ich, wenig davon mit.
Warst du selbst schon einmal so maskiert?
Ja klar! Ich mache eigentlich ziemlich viele Selbstversuche. So weiß ich dann, was ein Schauspieler aushalten muss und worauf man sich da eigentlich einlässt, wenn man so eine Maske trägt. Und so finde ich auch heraus, was ich an meiner Arbeit noch verbessern kann und muss.
Und wie fühlt man sich unter so einer Maske?
Nicht so toll… Ich finde es ziemlich nervig und möchte nicht mit den Schauspielern tauschen. Ich würde durchdrehen unter so einer Maske. Und Benny trägt die ja über drei Stunden, mit Aufschminken und Vorstellungsdauer. Also Hut ab!
Wie schwer ist die Maske, die Benny trägt?
Die wiegt ein Kilo. Das ist schon schwer! Aber bei FRANZISKA sind die Sachen teilweise noch schwerer. Die ganz dicken Make Ups wiegen bis zu eineinhalb Kilo – dabei bleibt nur die Stirn frei. Und dann auch noch die dicken Kostüme… In diesen Fatsuits schwitzen die Schauspieler extrem. Dazu kommen noch die Perückenwechsel. Einige haben bis zu drei Wechsel hinter der Bühne.
Und da seid ihr von der Maske auch immer dabei?
Ja genau. Am Anfang hätte ich nicht gedacht, dass das so gut funktioniert. Mit den vielen Kostüm- und Perückenwechseln. Aber ich habe es mir bei der Premiere angeschaut und das war klasse. Alles hat super geklappt.
Eine letzte Frage: Betrachtest du deine Aufgabe hier als Kunst oder als Arbeit?
Eher als Arbeit. Künstler, nein, ein Künstler ist etwas anderes. Ich habe ja Vorgaben, wie es aussehen soll und die muss ich einhalten. Klar, man braucht schon einen gewissen Anteil an Talent, aber das empfinde ich nicht als Kunst.

 

 

 

 

 

 

 

 

Thomas Opatz bezeichnet sich selbst als „Quereinsteiger“ und hat sich die meisten seiner Techniken selbst beigebracht. Die Arbeit beim Film, die er vor 13 Jahren begann, erlaubte es ihm, sich von Anfang an auf Spezialeffekte zu konzentrieren. Filme, an denen er als Maskenbildner beteiligt war, sind u.a. „Die wilden Kerle 4“, „Es ist ein Elch entsprungen“ und „Der Hobbit“.

Das Interview führten Annelie Heitmann und Lisa-Marie Höke

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