Theaterlexikon: D

D wie Digitalisierung

Neulich auf dem Berliner Theatertreffen sagte unser Intendant Johan Simons in einem Interview Folgendes: „Das Internet ist eine völlig neue Schiene.“ Zur selben Zeit fand um die Ecke die Konferenz „Theater und Netz“ statt, wo sich die Menschen trafen, die irgendwas mit Internet und Theater machen. Und so sehr seine Aussage erst mal an Merkels „Neuland“-Spruch erinnert, trifft sie doch ziemlich ins Schwarze, wie sich auf der Konferenz zeigte. Für das Theater ist das Internet tatsächlich eine ziemlich neue Schiene. Auch wenn die meisten mittel- bis großen Häuser die Sozialen Medien mit ihren Accounts bevölkern, fehlen noch Struktur, Ziel und Orientierung. Es ist ein bisschen so, als bahne sich jeder seinen eigenen Pfad – ob das Regisseure, Performance-Künstler oder die Presse- und Öffentlichkeitsabteilungen der Kultureinrichtungen sind.

Am ersten Mai-Wochenende hatte auf einmal jeder Twitteraccount ein Gesicht und man tauschte sich aus, hörte zu, diskutierte, spielte und workshoppte. Klingt lustig, war es auch, und doch bleibt am Ende Ratlosigkeit. Wie geht es weiter? Was machen wir mit dieser riesigen Spielwiese, die da noch taufrisch vor uns liegt? Wann beginnen Theater, sich mit mehr Mut auf sie zu stürzen und sie tatsächlich als Bühne zu nutzen?
Auf dem Panel „Theater 2.0 – Was bedeuten die sozialen Medien für die Kunst?“ mit Jochen Strauch (Thalia Theater) und Alexander Kerling (Theater Dortmund) sammelte die Moderatorin Anne Peter (nachtkritik.de) Beispiele für virtuelle Theaterprojekte. Sie ließen sich an einer Hand abzählen. Ob Effi Briest auf Facebook wirklich so gut funktioniert hat, mag dahingestellt bleiben. Aber das Maxim Gorki Theater hat sich getraut, hat den Versuch gewagt, das Medium buchstäblich zu bespielen. Es gibt Regisseure wie Luk Perceval, die nicht davor zurückscheuen, ihre Proben zu filmen und ins Netz zu stellen. Angst, dass er damit zu viel verraten oder das Publikum abschrecken könnte, hat er nicht. Im Gegenteil, das Internet gibt den Theatern die Chance, sich zu öffnen, Hemmschwellen abzubauen und über Städte- und Ländergrenzen hinaus Interesse zu wecken und ganz konkret ein neues Publikum anzusprechen. Vernetzung heißt das Zauberwort. Die Aufbruchstimmung macht sich immer breiter. Und die gute Nachricht: Es gibt noch jede Menge Platz im Internet!

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Ein Kommentar zu “Theaterlexikon: D

  1. Ja,Twitter,facebook von Theatern kaum genutzt.Für mich schon interessant kurze Scenen eines Stückes zu sehen,um eventl.hinzufahren .

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