DER KAUF: Wie weit geht der Kampf um Besitz?

Paul Plampers Hörspiel DER KAUF über das fragwürdige Glück, das Eigentum und Besitz uns versprechen, wurde mit dem Deutschen Hörspielpreis der ARD ausgezeichnet. Die Jurybegründung ist auf dem Blog von Wolfgang Schiffer zu finden. In einem Interview mit der WDR-Redakteurin Martina Müller-Wallraff spricht Paul Plamper über Leerstellen, Gentrifizierung und das Live-Erlebnis mit DER KAUF auf der Brache. Am Sonntag, 6.7. ist der Hörspielparcours auch in München zu erleben.

© Paul Plamper

© Paul Plamper

Was treibt Dich auf die Brache? Ich bin schon immer gerne auf Brachen spaziert. Das sind für mich Zeitkapseln, auf denen Überreste von Geschichte offenliegen. Viele Brachen sind durch Kriege entstanden. Gleichzeitig ist die Brache als Lücke in der Stadtlandschaft ein „freier“ Ort mit Potenzial. Nichts verrät mir, wem hier was gehört, keine Klingelschilder oder Gegensprechanlagen. Konzepte wie Eigentum kommen mir auf einer Brache noch absurder vor als sonst. Die Brache stellt für mich die Frage, warum jemand das Recht haben soll, sich einen Claim abzustecken, einen Zaun zu ziehen. Muss Besitz bedeuten: Wenn einer drauf ist, sind die anderen draußen?

DER KAUF erzählt die mögliche Zukunft einer städtischen Freifläche. Es geht um die schönste Wohnung eines Viertels, das auf der Brache gebaut werden könnte. – Genau, die Dachgeschosswohnung, zu der man hochblickt und instinktiv denkt: Enteignet die Schweine, da will ICH wohnen! Die Besitzer der Wohnung, ein Paar Mitte 40 –,haben das alternativ angehauchte Viertel in den 2010ern mit aufgebaut und sich ein kleines Paradies geschaffen. Mittlerweile sind sie aber an einem Punkt, wo der an den Besitz geknüpfte Lebensentwurf manchmal wie eine Fessel wirkt. In dieser Situation taucht ein anderes Paar auf, ebenfalls Mitte 40 und wohlhabend. Sie haben sich in die Wohnung vernarrt und denken, sie können sich damit in ein Glück hinein kaufen …

Und das Neidobjekt wechselt unter ziemlichen Turbulenzen den Besitzer. Die Frage war: Welche Auswirkungen hat Eigentum? Macht Eigentum konservativ? Wer eine Immobilie besitzt, übernimmt zwangsläufig Verantwortung für diese Scholle, diesen Teil unserer aufgeteilten Welt und macht sich plötzlich Sorgen um den Zustand des Parketts. Vielleicht ist der Kauf einer Wohnung der deutlichste Einstieg in unser System. Und es ist unheimlich schwer, sich dabei aus den Prozessen der Wertsteigerung herauszuhalten. Anfang der 90er habe ich im Prenzlberg Theater in besetzten Häusern inszeniert. In bester Absicht habe ich so –als kultureller Unterbau – das Viertel attraktiver gemacht und letztlich zu seiner Gentrifizierung beigetragen.

Besonders an diesem Projekt ist, dass Ihr es auch auf zum Teil strittigen Brachen im Stadtraum aufführt … Das Schöne am Hörspiel ist ja, dass der Hörer gefragt ist, das Gehörte mit eigenen Bildern zu komplettieren, eine Leerstelle mit seiner Phantasie zu füllen. Das haben wir diesmal räumlich genommen und das Hörspiel speziell für Leerstellen im Stadtraum produziert. Bei den Brachenaktionen kann man sich ausgestattet mit Kopfhörer und Audioplayer auf dem Gelände bewegen. Das Hörspiel wird mit der sichtbaren Realität, der Leere des Terrains spielen und aus der Brachfläche eine Projektionsfläche machen.

Quelle: WDR

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