Austausch zweier Literaturgiganten

Vor zwei Wochen, am 5. Februar wäre mit William S. Burroughs einer der großen amerikanischen Autoren 101 Jahre alt geworden. Er ist einer der Literaten, die in den 50er und 60er Jahren einer Gruppe von jungen Schriftstellern angehörten, die die zwei prägendsten Figuren der Beat-Literatur, Jack Kerouac und Allen Ginsberg, hervorbrachte. Wie bei keinen anderen stellt ihr Schaffen eine neue Art von Schreiben dar, intimer und ehrlicher, als es das gesellschaftliche Klima ihrer Zeit eigentlich zugelassen hätte. Am Montag, den 16.2., lesen Steven Scharf und Edmund Telgenkämper im Rahmen der vierten und letzten Jahrhundertbriefe im Schauspielhaus aus Briefen der beiden Autoren.

Die beiden Schriftsteller stehen noch viel mehr als Burroughs für das literarische Erbe einer Generation von jungen Menschen, fremd in ihrer Zeit, immer UNTERWEGS, von Denver bis New York, über Mexiko nach Tanger. Ruhe- und rastlos wie ihre Autoren. Kerouac musste wegen einer psychischen Erkrankung die Navy verlassen und Ginsberg wurde Zeit seines Lebens für seine offen gelebte Homosexualität diffamiert. Die beiden hatten sich 1944 an der Columbia University getroffen, wo sie auch Neil Cassady kennenlernten, der später für Kerouacs Dean Moriarty aus ON THE ROAD Modell stehen sollte. Er und Ginsberg wurden Mitbewohner und zeitweise Liebhaber.

In den Mitgliedern dieser Clique von jungen Intellektuellen fand Kerouac die realen Vorbilder für die Figuren in seinem Erstlingswerk ON THE ROAD, das er 1957 veröffentlichte und das ihn schlagartig zum Führer und seinen Roman zur Bibel der Beatniks machen sollte. Ein Jahr zuvor hatte Ginsberg HOWL veröffentlicht, das er als Schreibtherapie begonnen hatte und seinem Freund Carl Solomon widmete, den er zuvor in einer Nervenheilanstalt kennengelernt hatte.

Beide Werke wurden anfangs nicht sehr wohlwollend aufgenommen. Ein Kritiker nannte ON THE ROAD eine „Serie von Grunzlauten eines Neanderthalers“, HOWL wurde einer breiten Öffentlichkeit vor allem durch den der Veröffentlichung folgenden „obscenity-trial“ bekannt, als sich Ginsberg und sein Verleger wegen grafischen Schilderungen von Homosexualität und Heroinkonsum vor Gericht verantworten mussten und das Gedicht vorübergehend auf dem Index landete.

Der Wandel, den beide Autoren in den Augen der Gesellschaft im Laufe der Zeit durchmachten, ist unvergleichlich. Anfangs als langhaarige Hipster, Kommunisten und Landstreicher verschrien, stiegen sie in den folgenden Jahrzehnten zu gefeierten Helden der Literaturgeschichte auf. Scharf und Telgenkämper lesen Auszüge aus einer 25 Jahre andauernden Korrespondenz und geben einen intimen Einblick in den künstlerischen Austausch und die persönliche Beziehung dieser beiden Literaturgiganten.

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