Theaterlexikon: G wie Gegenrede

Gemeinsam rufen die Münchner Kammerspiele, das Residenztheater, das Münchner Volkstheater und Attac München zur GEGENREDE – ALTERNATIVEN HÖREN, einer ganztägigen Lesung gegen den G7-Gipfel in Elmau auf. Sie beginnt heute um 12 Uhr am Richard-Strauss-Brunnen in der Fußgängerzone. SchauspielerInnen der drei Ensembles lesen eigens geschriebene, neue Texte von LiteratInnen (u. a. Elfriede Jelinek, Ingo Schulze) und PublizistInnen (u. a. Jean Ziegler, Werner Rügemer). Diese Texte werden ergänzt durch Ergebnisse und Erkenntnisse vom „Internationalen Gipfel der Alternativen“, der am 3.  und 4. Juni in München stattfand. Wir haben uns mit dem verantwortlichen Dramaturgen Malte Jelden über das Projekt unterhalten.

Wie ist die Idee zur Veranstaltung entstanden?

Malte Jelden Es war von Anfang an klar, dass wir das machen, seit die Proteste gegen den G7-Gipfel in einem sogenannten Gipfel der Alternativen in München organisiert wurden. Hierbei geht es nicht darum, zu kritisieren, es sollen vielmehr andere Politikmodelle aufgezeigt werden als jene, die G7-Politik ausmachen. Attac München hat sich gefragt: Wie können wir die Ergebnisse dieses Alternativen Gipfels, die Ideen und Visionen, einem breiteren Publikum, einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren? So sind sie an die Theater herangetreten: erst an die Kammerspiele, dann ans Residenztheater und ans Volkstheater. Wir haben uns dann überlegt, eine Lesung in der Fußgängerzone zu organisieren, mit dem Ziel, die Aufmerksamkeit der Leute zu bekommen, die nicht sowieso immer da sind.

Warum ist es in diesem Fall die Aufgabe des Theaters, rauszugehen und sich zum Beispiel in der Fußgängerzone zu präsentieren?

Wenn das Theater nach draußen geht, hat das immer positive Effekte. Der wichtigste ist, dass Leute erreicht werden, die nicht von sich aus ins Theater kommen. Vielen Menschen fehlt der Zugang, auch wenn sie das Theater nicht grundsätzlich ablehnen. Es ist auch eine Frage der Gewohnheit. Deshalb ist es so wichtig, dass man auch manchmal Sachen macht, in denen man sich einer anderen Publikumssituation aussetzt.

Ihr habt ein breites Programm konzipiert. Das Ganze geht von 12 bis 20 Uhr.

Genau. Die Texte wiederholen sich allerdings in vier Schleifen. Jede Schleife dauert etwa zwei Stunden. In jedem Block tritt eine neue Band auf, die zwischen den Texten spielt.

Diese Texte werden dann von verschiedenen Schauspielern aus den Ensembles der drei beteiligten Theater vorgelesen?

Kollegen von allen drei Theatern sind dabei, ja. Außerdem kommen noch SprecherInnen dazu, die für den Bayerischen Rundfunk und Radio Lora arbeiten, sodass wir insgesamt 24 Sprecher und Sprecherinnen haben.

War es schwierig, Sprecher und Sprecherinnen für die Gegenrede zu gewinnen?

Es war tatsächlich ganz einfach. Man hat wirklich das Gefühl, dass ein breites Bündnis von Menschen überzeugt ist, dass diese Machtpolitik der G7 nicht dazu führen wird, dass die Welt gerechter wird. Das hat man auch auf der Demo am Donnerstag gesehen. Das ist keine radikal linke Position mehr, sondern inzwischen eine bürgerliche Grundhaltung.

Gibt es persönliche Highlights für dich?

Wir haben auf dem Alternativen Gipfel tolle ReferentInnen gehört. Von sechs von ihnen haben wir jeweils einen Text kompiliert, der auch wie eine kleine Rede funktionieren wird. Da stecken sehr viele konkret umsetzbare Forderungen drin, wie diese Welt eine gerechtere werden könnte: Sie betreffen die Verteilung der Ressourcen, die Frage der Agrarpolitik, des Klimawandels, der Energiepolitik… Das finde ich sehr wichtig und es ist gut zu vermitteln. Die literarischen Texte, zum Beispiel von Elfriede Jelinek, sind auch sehr interessant, weil sie sich viel damit beschäftigen, wie man überhaupt Veränderungen herbeiführen kann. Was macht man mit seinem politischen Willen, mit seinem Engagement? Wir können uns auf viele gute Ansätze und Ideen freuen.

Danke für das Interview.

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