Gebrauchsanweisung zum Finale-Pass

Wir verabschieden uns mit einem Geschenk von unserem Publikum: Den Finale-Pass gibt es an der Tages- und Abendkasse. Wer drei Vorstellungen im Juli, dem letzten Monat dieser Spielzeit und der Intendanz von Johan Simons, besucht, bekommt Freikarten nach Verfügbarkeit an der Abendkasse für alle weiteren Vorstellungen. Hier geht’s zu einer Übersicht der Stücke, die zum letzten Mal gespielt werden.

Und Stefan Merki zeigt, wie es funktioniert:

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Endspurt für BUCH (5 INGREDIENTES DE LA VIDA)

Armin Petras‘ Inszenierung des Fritz-Kater-Textes BUCH (5 INGREDIENTES DE LA VIDA) ist nur noch wenige Male in der Spielhalle zu sehen. Am 18. Mai hat das Münchner Publikum zum letzten Mal die Chance, Teil dieser intensiven Theatererfahrung zu werden. Die Koproduktion mit dem Schauspiel Stuttgart wird dort in das Programm der nächsten Spielzeit aufgenommen. Zum Endspurt zeigen wir hier eine Auswahl von BUCH-Augenblicken (Fotos: Conny Mirbach).

Brutalität des Alltäglichen

Mit zwei ausverkauften Vorstellungen war WARUM LÄUFT HERR R. AMOK? in dieser Woche auf dem Berliner Theatertreffen zu Gast. Am Freitag, 8.5., zeigen wir Susanne Kennedys Inszenierung wieder im Schauspielhaus – mit anschließender Münchenpremiere des Dokumentarfilms FASSBINDER im Rahmen des DOK.fests. Oliver Franke nimmt sich unserer Inszenierung in einem Artikel auf dem Theatertreffen-Blog an.

Sei ein aufopferungsvoller und liebender Ehemann und Vater! Sei ein freundlicher, zuvorkommender Nachbar! Sei eine konstruktive Kraft in der arbeitsökonomischen Verwertungskette! Herr Raab – Familienvater, Nachbar, Arbeitskollege – scheint all diesen Imperativen nachzugehen. Doch das Streben nach einem kleinbürgerlichen Lebensideal führt zur totalen Selbstaufgabe und schlussendlich in die Katastrophe.

In lose aneinandergereihten, improvisierten Szenen erzählt der Film „Warum läuft Herr R. Amok“ von Michael Fengler und Rainer Werner Fassbinder die Geschichte der sukzessiven Entfremdung eines Mannes von seinem sozialen Umfeld und sich selbst. Einem Menschen, der keinen Halt findet in seinem Lebensalltag und lediglich in Zuschreibungen und Erwartungshaltungen, die seine Mitmenschen auf ihn projizieren, seine Existenzberechtigung sucht. Jedoch bleibt letztlich die Frage nach dem „Warum?“ ungelöst. Warum Herr Raab seine Familie und Nachbarin umgebracht hat, bleibt unerklärlich und in seiner offensiven Beiläufigkeit zutiefst erschütternd und bedrohlich.

Susanne Kennedys Inszenierung des gleichnamigen Films liefert dankenswerterweise ebenfalls keine Antworten auf die Titelfrage. Vielmehr intensiviert sie die Ratlosigkeit, die das Schicksal von Herrn Raab und seiner Familie hinterlässt, durch eine konsequente Bühnenästhetik der ‚exzessiven’ Reduktion und Entschleunigung. Kennedy liebt es, ihre DarstellerInnen in ein fest reglementiertes Darstellungsrepertoire zu zwängen. Bereits in ihrer Inszenierung von Marieluise Fleißers „Fegefeuer in Ingolstadt“ erzeugte sie Verfremdungen der Zuschauerwahrnehmung, indem die AkteurInnen in statische Szenenbilder gruppiert wurden und mittels einer bereits aufgenommenen Tonspur die Textpassagen im Playback nachsprachen. Dieses Konzept der Entmächtigung innerhalb der Darstellung wird nun in der neuen Inszenierung fortgesetzt und auf die Spitze getrieben. Die Stimmen wurden von Laien aufgenommen und das mimische Spiel verschwindet beinahe gänzlich hinter Gesichtsmasken.

Was bleibt, sind Hybride zwischen Objekt und Subjekt, zwischen Marionettenhaftigkeit und individuellem Gestenrepertoire der DarstellerInnen. Statt plastisch ausgeformter Figuren gibt es grob skizzierte Charakterentwürfe – austauschbare Instanzen, Leidensstationen auf dem Weg in den Tod. Immer wieder schlüpfen die DarstellerInnen abwechselnd in die verschiedenen Rollen. Ein inszenatorischer Kniff, der die Austauschbarkeit und Allgemeingültigkeit des Figurenrepertoires verdeutlicht. Seltsam und befremdlich schauen sie aus, die SchauspielerInnen, in dieser sterilen, holzverschalten Vorhölle – mitsamt Gummipflanze und Linoleum-Fliesenimitat –, die den Charme von Un-Orten wie Wartesälen oder Bahnhofsspielhallen versprüht. In einzelnen Szenenbildern werden alltägliche Situationen in ihrer ernüchternder Banalität und ihren perfiden Machtstrukturen zu einem Sittengemälde unerträglich dumpfer und erniedrigender Selbsttäuschung zusammenmontiert.

Der Kampfplatz ist überall – ob im Wohnzimmer, im Plattenladen oder auf der Straße. Immer wieder stößt Herr R. auf Ablehnung und Unverständnis. Kennedy exerziert dies in teilweise unerträglich statischen Bildern und einer brutal-konsequenten Klarheit. Die Inszenierung hat nicht nur die Struktur der einzelnen heterogenen Szenenfragmenten des Films übernommen, sondern auch eine höchst stilisierte und ausdrucksstarke Form gefunden, die atmosphärische Qualität des Films in seiner Darstellung und ‘Fühlbar-Machung’ der Lethargie, Tristesse und Sprachlosigkeit innerhalb der kleinbürgerlichen Familie in den theatralen Kontext zu transferieren .
Die Banalität und Brutalität des Alltäglichen werden somit auf die Bühne gehievt und maßlos vorgeführt.

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Gastbeitrag aus dem Theatertreffen-Blog von Oliver Franke

Den Artikel finden Sie auf dem Theatertreffen-Blog

URBAN PLACES – PUBLIC SPACES ging in die 3. Runde

URBAN PLACES - PUBLIC SPACES: EINE GLOBALE DEBATTE ZUM LEBEN DER STADTMünchner Kammerspiele, 22.3.2015

Drei Städte, eine Debatte: Die globale Diskussionsreihe URBAN PLACES – PUBLIC SPACES bringt Experten aus aller Welt live zusammen – hier New York, München und Madrid / Foto: Judith Buss

Wem gehört die Stadt? Wer macht die Stadt? Was ist die gute Stadt? Diese Fragen stellt URBAN PLACES – PUBLIC SPACES – eine globale Debatte zum Leben in der Stadt. Am Sonntag ging die Veranstaltungsreihe des Goethe-Instituts und der Münchner Kammerspiele in die letzte Runde, bei der auch Johan Simons Gesprächspartner war.

„Ich bin gespannt darauf, was die Experten in den anderen Städten zu sagen haben über das Zusammenleben verschiedener Schichten. Ich habe den Eindruck, dass die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinandergeht,“ sagt Johan Simons. Zusammen mit Andres Lepik, Architekturhistoriker und Leiter des Münchner Architekturmuseums, sowie Gesprächspartnern in Südafrika und den Niederlanden diskutiert der Intendant der Münchner Kammerspiele bei der letzten Veranstaltung von URBAN PLACES – PUBLIC SPACES am Sonntag in den Münchner Kammerspielen über die Zukunft unserer Städte. Zu den Referenten zählen unter anderem Tobias Kokkelmans, Dramaturg des Theaterkollektivs Wunderbaum in Rotterdam und die Architektin und Schriftstellerin Lesley Lokko in Johannesburg.

Was ist eine gute Stadt?

Mehr als 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid gelten die Stadtviertel Johannesburgs im kollektiven Bewusstsein noch immer als weiß oder schwarz, als arm oder reich. Auch durch Rotterdam und München – in ihrem Selbstverständnis liberale Städte – laufen unsichtbare Grenzen. Fremdenfeindlichkeit und Rechtspopulismus sind bedrohliche Phänomene in vielen europäischen Städten.

Wunderbaum De komst van Xia (c) Krista van der Niet (2)

Zu Gast in Rotterdam: Tobias Kokkelmans vom Theaterkollektiv „Wunderbaum“– hier ein Bild aus dessen Produktion „The New Forest / De Komst van Xia“ / Foto: Krista van der Niet

Wer hat in Südafrika, den Niederlanden und Deutschland Zugang zu Kultur und öffentlichen Räumen? Wie gehen wir mit religiösen Differenzen und Segregation in unseren Städten um? Welche Rolle spielen Kunst und Kultur im Stadtraum? Die Diskutanten in Johannesburg, München und Rotterdam suchen im länderübergreifenden Austausch nach Antworten.

Lokales Handeln, globales Denken

In der Reihe URBAN PLACES – PUBLIC SPACES wurde deutlich: Städte reagieren in vielfältiger Weise auf kulturelle, demografische und wirtschaftliche Veränderungen. Sie sind Räume in stetigem Wandel. Bereits im Februar und März debattierten Aktivisten, Künstlerinnen und Stadtplaner in Live-Videokonferenzen über Partizipation und Gemeinwohl, über die Rolle privater und öffentlicher Akteure in der Stadt. Neben München waren jeweils zwei weitere Städte aus dem weltweiten Netzwerk des Goethe-Instituts zugeschaltet: So entstand ein interkulturelles Gespräch, vielstimmig und mehrsprachig, eine Debatte über lokale Handlungsspielräume und globale Denkräume

Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen: Sehen Sie, was passiert, bevor sich der Vorhang hebt und die Debatte beginnt. / Film: Goethe-Institut

Wem gehört die Stadt?

Im Februar ging es in Istanbul, São Paulo und München um die Frage „Wem gehört die Stadt?“. Millionen von Flüchtlingen leben in Istanbul unter oftmals schwierigen Verhältnissen. In São Paulo stellen sich – wenn auch unter anderen Vorzeichen – ähnliche Herausforderungen. Bei der Veranstaltung brachte es die Soziologin Vera Telles in einem Filmbeitrag auf den Punkt: „Das zentrale Problem ist, dass die Marktlogik die Stadt, aber auch die Institutionen, das Leben, Ideen, Projekte und Vorstellungen neu definiert.“ Mietpreise erleben eine Explosion und viele Menschen können sich das Leben in der Stadt nicht mehr leisten. Auch in München werden finanziell schlechter gestellte Menschen aus dem Stadtzentrum gedrängt.

Wo entsteht heute Mitbestimmung an urbanen Entwicklungen? Welche Rolle spielen Mega-Projekte für die Entwicklung unserer Städte? Und wie gehen Istanbul, São Paulo und München mit dem Thema „Housing“ um – gerade auch im Hinblick auf Flüchtlinge? Antworten gaben unter anderem der türkische Filmemacher Imre Azem, die Stadtplanerin Raquel Rolnik aus Brasilien und der Münchner Journalist Alex Rühle.


„Wem gehört die Stadt?“: Hier sehen Sie die Aufzeichnung der Debatte in voller Länge


Wer macht die Stadt?

Vom „wahren öffentlichen Raum“ sprachen David Berkvens und Manual Pascal, beide Mitglieder des Architekturkollektivs Zuloark, als es bei der zweiten Veranstaltung im März um die Frage ging „Wer macht die Stadt?“. In einer Debatte mit New York City und München berichteten die beiden Aktivisten vom Projekt „Campo de Cebada“, einem Platz mitten in Madrid, der von den Anwohnern selbst gestaltet wird. Auch im Brooklyn Navy Yard in New York City wird versucht, das kreative Potenzial von Stadtbewohnern zu nutzen und neue Räume zu erschließen.

Welche Rolle spielen private Initiativen bei der Gestaltung von Städten? Wie kann verlorenes öffentliches Terrain zurückgewonnen werden? Und wie nachhaltig und wirksam sind künstlerische Interventionen zum Thema Stadt, wie das Tanzstück der Münchner Podiumsteilnehmerin Constanza Macras? Neben dem Architekturkollektiv Zuloark beteiligten sich an der Diskussion unter anderem der spanische Kulturproduzent Javier Duero, der New Yorker Architekt Mitchell Joachim sowie die Kuratorin Angelika Fitz.


„Wer macht die Stadt?“: Am 25. April wird die zweite Debatte in voller Länge auf ARD-alpha ausgestrahlt.


URBAN PLACES - PUBLIC SPACES: EINE GLOBALE DEBATTE ZUM LEBEN DER STADT Münchner Kammerspiele, 22.3.2015

Über Live-Streaming, Twitter und den Hashtag #places15 können Interessierte weltweit der Debatte im digitalen Raum folgen und Fragen in die Diskussion einbringen / Foto: Judith Buss

Analog diskutiert, digital begleitet

Auch am Sonntag findet die Veranstaltung wieder zeitgleich in allen drei Städten statt und kann weltweit über Live-Streaming auf www.goethe.de/urbanplaces verfolgt werden. Alle Interessierten in München sind herzlich eingeladen, die Debatte in den Kammerspielen zu besuchen.

URBAN PLACES – PUBLIC SPACES ist ein Projekt des Goethe-Instituts und der Münchner Kammerspiele. Medienpartner ist der Fernsehsender ARD-alpha. Sie finden das Projekt auch auf Facebook und Twitter unter dem Hashtag #places15

URBAN PLACES – PUBLIC SPACES am 26. April um 11:00 im Schauspielhaus der Münchner Kammerspiele

Tickets gibt es hier.

Mehr Informationen auf der Projektwebseite zu „Urban Places – Public Spaces“ des Goethe-Instituts.

Ein Gastbeitrag des Goethe-Instituts

Carl Oesterhelt vertont Pessoas literarische Schatztruhe

Als Fernando Pessoa 1935 starb, war er nur wenigen Freunden als begnadeter Dichter bekannt. Sein Lebenswerk lag in einer Truhe verschlossen in seinem Haus, der Öffentlichkeit unzugänglich. In den Jahrzehnten nach seinem Tod mühten sich unzählige Literaturwissenschaftler, den Inhalt zu ordnen und zu Gedichtbänden und Romanen zusammenzufügen.

Carl Oesterhelt, der schon die Musik für Inszenierungen wie DANTONS TOD oder DAS SCHWEIGENDE MÄDCHEN komponierte, hat sich vor einem Jahr daran gemacht, aus Pessoas veröffentlichten Werken Liedtexte zusammenzustellen und diesem Ausnahmeliteraten mit DIE TRUHE ein musikalisches Denkmal zu setzen. Wir haben uns mit ihm getroffen und zur Uraufführung seines Stückes, geschrieben für Kammerorchester und Ensemblemitglied und Sänger Benny Claessens,  befragt.

MK Podcast – WARUM LÄUFT HERR R. AMOK?

Das Berliner Theatertreffen versammelt jedes Jahr die innovativsten und spannendsten Produktionen der deutschen Theaterwelt. 2015 ist auch Susanne Kennedys außergewöhnliche Inszenierung von WARUM LÄUFT HERR R. AMOK? eingeladen. Ihrer Bühnenadaption, nach einem Film von Rainer Werner Fassbinder und Michael Fengler, widmet sich auch die erste Folge unseres MK Podcasts. Hier versammeln wir Stimmen zum Stück, Informationen zur Inszenierung und Ausschnitte, ganz bequem zum Anhören, ob unterwegs oder zuhause.

Austausch zweier Literaturgiganten

Vor zwei Wochen, am 5. Februar wäre mit William S. Burroughs einer der großen amerikanischen Autoren 101 Jahre alt geworden. Er ist einer der Literaten, die in den 50er und 60er Jahren einer Gruppe von jungen Schriftstellern angehörten, die die zwei prägendsten Figuren der Beat-Literatur, Jack Kerouac und Allen Ginsberg, hervorbrachte. Wie bei keinen anderen stellt ihr Schaffen eine neue Art von Schreiben dar, intimer und ehrlicher, als es das gesellschaftliche Klima ihrer Zeit eigentlich zugelassen hätte. Am Montag, den 16.2., lesen Steven Scharf und Edmund Telgenkämper im Rahmen der vierten und letzten Jahrhundertbriefe im Schauspielhaus aus Briefen der beiden Autoren.

Die beiden Schriftsteller stehen noch viel mehr als Burroughs für das literarische Erbe einer Generation von jungen Menschen, fremd in ihrer Zeit, immer UNTERWEGS, von Denver bis New York, über Mexiko nach Tanger. Ruhe- und rastlos wie ihre Autoren. Kerouac musste wegen einer psychischen Erkrankung die Navy verlassen und Ginsberg wurde Zeit seines Lebens für seine offen gelebte Homosexualität diffamiert. Die beiden hatten sich 1944 an der Columbia University getroffen, wo sie auch Neil Cassady kennenlernten, der später für Kerouacs Dean Moriarty aus ON THE ROAD Modell stehen sollte. Er und Ginsberg wurden Mitbewohner und zeitweise Liebhaber.

In den Mitgliedern dieser Clique von jungen Intellektuellen fand Kerouac die realen Vorbilder für die Figuren in seinem Erstlingswerk ON THE ROAD, das er 1957 veröffentlichte und das ihn schlagartig zum Führer und seinen Roman zur Bibel der Beatniks machen sollte. Ein Jahr zuvor hatte Ginsberg HOWL veröffentlicht, das er als Schreibtherapie begonnen hatte und seinem Freund Carl Solomon widmete, den er zuvor in einer Nervenheilanstalt kennengelernt hatte.

Beide Werke wurden anfangs nicht sehr wohlwollend aufgenommen. Ein Kritiker nannte ON THE ROAD eine „Serie von Grunzlauten eines Neanderthalers“, HOWL wurde einer breiten Öffentlichkeit vor allem durch den der Veröffentlichung folgenden „obscenity-trial“ bekannt, als sich Ginsberg und sein Verleger wegen grafischen Schilderungen von Homosexualität und Heroinkonsum vor Gericht verantworten mussten und das Gedicht vorübergehend auf dem Index landete.

Der Wandel, den beide Autoren in den Augen der Gesellschaft im Laufe der Zeit durchmachten, ist unvergleichlich. Anfangs als langhaarige Hipster, Kommunisten und Landstreicher verschrien, stiegen sie in den folgenden Jahrzehnten zu gefeierten Helden der Literaturgeschichte auf. Scharf und Telgenkämper lesen Auszüge aus einer 25 Jahre andauernden Korrespondenz und geben einen intimen Einblick in den künstlerischen Austausch und die persönliche Beziehung dieser beiden Literaturgiganten.

Drei Fragen an… Susanne Kennedy

Das zentrale Thema von HIDEOUS (WO)MEN sind laut Susanne Kennedy die „Säfte des Lebens (Körperflüssigkeiten)“. Wir wollten noch ein wenig mehr wissen und haben der Regisseurin drei Fragen gestellt:

MK: Wo führt dich dein Drang, Grenzen zu überschreiten, noch hin?
Susanne Kennedy: Tja, das weiss ich wirklich nicht, aber irgendwie will ich wohl Dinge sehen, die ich selber vorher noch nicht in dieser Form gesehen habe. Das jedes Mal zu erreichen ist natürlich unmöglich, aber ich versuche es trotzdem. Manchmal dauert es aber Jahre, bevor ich ein Bild oder eine Atmosphäre, die ich so im Kopf hatte, umsetzen kann.Wahrscheinlich will ich über die Grenzen des Mediums Theater hinaus. Ich bereite gerade ein Projekt für das Maxim Gorki Theater vor, und das letzte Mal, als ich meine Notizen durchgelesen habe, habe ich gemerkt, dass ich ja nur über Film geschrieben habe. Jemand, der das durchlesen würde, würde denken, dass ich einen Film drehen möchte.

Wie gehst du mit flüchtendem Publikum während der Vorstellung um?

Das ist für mich kein Problem. Ich würde selber auch oft gern flüchten, traue mich aber nie.

Welchen Vorwurf/welches Kompliment möchtest du dir über deine Arbeit nicht mehr anhören?

Ich finde es immer sehr seltsam, wenn man denkt, dass ich nur Roboter oder Puppen auf der Bühne zeigen würde. Für mich sind diese Menschen da oben unglaublich realistisch.

Am 13. und 14. Februar zeigen wir die Produktion der Toneelgroep Oostpool im Werkraum. Die Ästhetik und Spielweise mit Latexmasken und Playback-Dialogen entwickelte Susanne Kennedy für WARUM LÄUFT HERR R. AMOK? weiter. Für alle Susanne Kennedy-Fans haben wir ein Interview von Çigdem Teke mit ihr herausgekramt. Das Ergebnis seht ihr hier:

Willkommen auf dem MK Blog!

Ein Blick hinter die Kulissen

Der MK Blog ist eine Plattform für Ideen und Gedanken, für kleine Geschichten, die sich hinter den Kulissen auf dem Weg von der ersten Bauprobe bis zur Premiere abspielen. Wer ins Theater geht, sucht den Dialog, will sich angesprochen fühlen von den Figuren auf der Bühne, sucht einen Zugang zu seinen Emotionen. Damit der Dialog nach der Vorstellung nicht abbricht, gibt der Blog einen Ansporn zum direkten Austausch zwischen Theater und Zuschauern. Je mehr ihr mitlest, mitschreibt, anregt und reagiert, desto lebendiger wird es. Und lebendig soll es bei einem Medium wie dem Theater ja zugehen.