Finale: Letzte Uraufführung

Mit unserer letzten Uraufführung UNTIL OUR HEARTS STOP kehrt die Choreographin und Tänzerin Meg Stuart noch einmal zurück an unser Haus. Die Produktion, die heute in der Spielhalle Premiere hat, vereint sechs Performer und drei Musiker an einem Ort des Begehrens und der Illusion. Dramaturg Jeroen Versteele hat eine Dokumentation über den Entstehungsprozess gedreht, die 45 Minuten vor Beginn zu jeder Vorstellung im Foyer der Spielhalle gezeigt wird.

Intendantentausch

Zwei Häuser waren – gleich an Würdigkeit – Hier in (….), wo die Handlung steckt, Durch alten Groll zu neuem Kampf bereit …… Die Maximilianstraße, die zwischen den Kammerspielen und dem Residenztheater liegt, ist schon längst kein unüberwindbarer Graben mehr. In dieser Spielzeit wechselten die Intendanten für jeweils eine Produktion die Straßenseite. Johan Simons inszenierte FAUSTIN AND OUT am Residenztheater, Martin Kušej hat am Samstag, 21. Februar, Premiere an den Kammerspielen mit JAGDSZENEN AUS NIEDERBAYERN.

MARIA STUART – Ein Interview mit Andreas Kriegenburg

Anlässlich unserer aktuellen Produktion, MARIA STUART, haben wir Andreas Kriegenburg, Regisseur und Bühnenbildner, zu seiner seiner Arbeit an den Münchner Kammerspielen befragt. Nach DER PROZESS, FRANZISKA, ALLES NUR DER LIEBE WEGEN und weiteren Inszenierungen ist MARIA STUART vorerst seine letzte Produktion an unserem Haus. Hat sich dieser Umstand auf seine Arbeit ausgewirkt? Und wie ist es eigentlich, zugleich Bühnenbildner und Regisseur zu sein? Welche Themen stellte Andreas Kriegenburg bei MARIA STUART in den Mittelpunkt?

Das Interview führten Natalie Adel und Beatrix Rinke.
Video: Dirk Windloff

Was ist das für ein Land, was ist das für eine Zeit, in der wir leben?

Vor sechs Jahren haben sich Jochen Noch, Direktor der Otto-Falckenberg-Schule, und Regisseurin Jorinde Dröse kennengelernt. Daraus hat sich eine Zusammenarbeit entwickelt und Jorinde inszeniert nun mit den Studierenden des 3. OFS Jahrgangs GLOW! BOX BRD im Werkraum der Münchner Kammerspiele.
Das Stück haben Jorinde Dröse und Autorin Anne Habermehl mit den Schauspielschülern selbst erarbeitet. Ausgangspunkt war ein Fragen- und Themenblock, aus dem sich verschiedene Szenen und Improvisationen entwickelten. Dabei war es der Regisseurin wichtig, die Studierenden als Schauspieler und nicht als Schüler zu betrachten. Aus der Zusammenarbeit entstanden Szenen und Monologe, die sich mit Themen wie Identität und Wert auseinandersetzen. In unseren Teasern gewinnt Ihr einen ersten Eindruck, was Euch in GLOW! BOX BRD erwartet. Für die Premiere am 16. Januar 2015 toi, toi, toi an die gesamte Produktion!

 

 

Blogger berichten aus dem Theater

Luk Perceval ist ein Theaterregisseur, der den Umgang mit den digitalen Medien nicht scheut. Für die Endproben seiner aktuellen Inszenierung EXILES haben wir drei theaterinteressierte Bloggerinnen eingeladen, die über den Probenprozess und die Premiere berichteten. Die Ergebnisse sind auf den Blogs LET’S TALK ABOUT ARTS, mucbook und TRAVELINGTHEWORLD72 zu lesen.

Wir haben den Bloggerinnen Sarah und Susanna, Juliane und Alexandra drei Fragen gestellt:

1. Wie würdet ihr euer Blog beschreiben?

Letstalkaboutarts: Unser Blog soll eine Plattform sein, die zum Austausch anregt, die die Diskussion über Kunst und Kultur raus aus dem Feuilleton und den Fachkreisen holt.

mucbook: Ich schreibe diesmal für mucbook und nicht für meinen eigenen Blog. Mucbook ist ein Blog über ganz München und alles, was in München passiert. Events, Konzerte, Theater. Wir versuchen, Geheimtipps zu geben, unbekannte Locations oder spontane Partys aufzutun, interessante Menschen zu finden und vieles mehr.

Travelingtheworld72: Ich führe keinen Theaterblog, sondern einen Reiseblog und möchte dort vor allem Geschichten erzählen. Ein Auge habe ich immer auch darauf, was darüber hinaus noch wartet und bin dann sofort  auf euer Projekt aufmerksam geworden.

2. Habt ihr euch einen Probenprozess am Theater so vorgestellt, wie ihr ihn die vergangene Woche erlebt habt?

Letstalkaboutarts: Wir haben nicht erwartet, dass es so viel Interaktion zwischen den Darstellern und dem Regisseur gab. Die Schauspieler hatten sehr viel Mitspracherecht und konnten über ihre eigenen Rollen diskutieren.

mucbook: Sehr überraschend fand ich, dass auch Luk Perceval sehr offen und flexibel blieb. Bis zur letzten Probe wurde immer noch weiter verändert, variiert und gestrichen.

Travelingtheworld: Für Luk Perceval war es besonders wichtig, dass alle Schauspieler vom richtigen Gefühl erfasst werden und es transportieren können. Mich hat dabei vor allem Luks Einfühlungsvermögen beeindruckt, dass er sehr auf die Schauspieler eingegangen ist und nie die Fassung verloren hat.

3. Wie stellt ihr euch die weitere digitale Reise des Theaters vor? Welche Wünsche habt ihr?

Letstalkaboutarts: Wir wünschen uns, dass das Theater offener wird. In München meistern das die Münchner Kammerspiele und das Residenztheater beispielsweise schon sehr gut, zum Beispiel mit einem Projekt wie diesem. Das sind auch unsere Ansätze: Dass sich die kulturellen Institutionen nicht vor einer Offenheit sträuben.

mucbook: Ich stimme da vollkommen zu. Allerdings ist ja eine Inszenierung ein Spiel an sich, dass durch eine solche Probenbeobachtung auch verliert. Man könnte aber auch an dieser Stelle ansetzen und einen größeren Austausch mit dem Regisseur und den Schauspielern zu schaffen.

Travelingtheworld: Für mich stellt sich auch die Frage, wie weit man da tatsächlich gehen kann. Aus dem Theater zu twittern, stelle ich mir zum Beispiel schwierig vor. Aber ich denke, die Reise wird auf jeden Fall spannend.

Menschliche Abgründe

Interview mit dem Dramaturgen Koen Tachelet zu WARUM LÄUFT HERR R. AMOK?

Wie seid ihr es angegangen, einen Film auf die Bühne zu bringen? Haben die Unterschiede zwischen diesen beiden Medien eine Rolle bei euren Überlegungen gespielt?
Für Susanne Kennedy macht das keinen Unterschied. Sie entwickelt eine eigene Theatersprache und differenziert in ihrer Arbeitsweise nicht zwischen Film und Theater. Ihre Inszenierung entwickelt sie aus allem, was zur Verfügung steht. WARUM LÄUFT HERR R. AMOK? stellt für Susannes Art, Theater zu machen ein großes Potenzial dar. Der Gedanke, dass man einen Film als Medium auf die Bühne bringt, war dabei kaum von Bedeutung. Susanne ist sehr von Fassbinder beeinflusst worden, auch in ihrem Umgang mit Schauspielern. Häufig befinden sich diese in seinen Filmen in intimen Situationen und Innenräumen. Sie erzählen eine Geschichte. Die Kamera folgt ihnen, erzählt jedoch eine eigene Geschichte zu derselben Situation. Daraus ergeben sich zwei Ebenen, die Susanne auch in ihren Inszenierungen sucht und aufgreift. Das Geschehen lässt sich somit auch auf einer anderen Ebene verfolgen. Es wird dadurch geöffnet für Interpretationen und Assoziationen des Zuschauers. Das ist gerade bei diesem Film sehr wichtig, da die Dialoge größtenteils aus Improvisation entstanden sind. Dadurch erscheinen die Szenen teilweise sehr dünn und nicht fassbar, beinahe flüchtig. Das interessiert Susanne Kennedy an diesem Stück. Der Alltag wird in seiner Flüchtigkeit gezeigt. Plötzlich findet etwas so Grausames am Ende statt. Diese Mischung aus Alltagsszenen und Skandalösem bildet eine Besonderheit des Filmes.

Bei der Inszenierung setzt ihr auch Videomaterial ein, um diese einzelnen Szenen voneinander abzugrenzen?
Ja, ähnlich wie bei FEGEFEUER IN INGOLSTADT, das in einzelnen Bildern aufgebaut ist. In WARUM LÄUFT HERR R. AMOK? fährt eine Leinwand nach unten, auf der verschiedene Videoprojektionen zu sehen sind. Es wird eine Art Echo von dem Geschehen auf der Bühne erzeugt. Der Abend zeigt in gewisser Weise eine Begegnung mit dem Tod. Susanne Kennedys Figuren sind untot. Menschen, die körperlich noch da sind, aber psychisch nicht. Um das auszudrücken, ist der Film als Medium gut geeignet. Denn man sieht Personen, die in Wahrheit aus nichts als Licht bestehen. Diese gespensterhafte Qualität sucht Susanne Kennedy in all ihren Arbeiten.

Woraus ist die besondere Art der Rollenverteilung entstanden?
Die entscheidende Frage beim Film und auch beim Theaterstück ist das „Warum?“. Wenn etwas derart Grausames wie ein Amoklauf passiert, wirft das die Frage nach dem „Warum“ auf. Es wird also eine Antwort gesucht, beispielsweise: „Er war verrückt.“ Mit einer solchen Erklärung kann sich die Gesellschaft leichter von der Tat distanzieren. Wenn die Warum-Frage aber nicht beantwortet werden kann, baut sich keine Distanz auf. Dadurch eröffnet sich die Möglichkeit einer persönlichen Auseinandersetzung mit dieser Frage. Das künstlerische Team hat sich daraufhin gefragt, wo die Abgründe eines jeden Menschen liegen, die Gewalt gegen sich selbst und gegen andere hervorrufen. Sie stellen uns vor ein Rätsel. Wir versuchen uns einen Menschen zu erklären, indem wir mithilfe seiner Mimik, seiner Gestik und seiner Stimme eine Geschichte konstruieren. Was passiert aber, wenn man genau diese Codes wegnimmt? Wenn die Schauspieler Masken tragen und die Zuschauer in den Gesichtern nicht mehr lesen können? Wenn die Charaktere keine eigene Stimme und keinen eigenen Körper haben? Was bleibt dann noch von ihm übrig? Hier setzt Susanne Kennedy an. Die Texte in WARUM LÄUFT HERR R. AMOK? sind von Laien aufgenommen und laufen Playback, die Schauspieler mimen nur dazu. Die Charaktere werden von verschiedenen Schauspielern gespielt, sie haben also keinen eigenen Körper. An dieser Stelle gelangt der Zuschauer in ein sehr interessantes Zwischengebiet. Man wird selbst aktiv und versucht immer wieder Herr R. in seinem zersplittertem Auftreten zusammenzusetzen. Uns wird dadurch bewusst, dass die Situation auf der Bühne in gewisser Weise auch unseren Alltag widerspiegelt. Auch hier konstruieren wir unsere Mitmenschen in unserer persönlichen Wahrnehmung.

Wie würdest du WARUM LÄUFT HERR R. AMOK? in Fassbinders Gesamtwerk einordnen?
WARUM LÄUFT HERR R. AMOK? ist eigentlich ein ganz atypischer Fassbinder-Film. Er hat nur sehr selten mit Improvisation gearbeitet und sich auch immer wieder von diesem Film distanziert. Trotzdem sind viele Details in dem Film zu sehen, die man Fassbinder ganz klar zuordnen kann. Es sind zum Beispiel alles seine Schauspieler, die mitwirken. Kurt Raab hat hier seine erste große Rolle gespielt, später übernahm er die Hauptrolle in SATANSBRATEN. Seine Figuren haben demnach auch eine große Ähnlichkeit miteinander. Dass der Film trotz allem Fassbinders Stil aufweist, liegt an seiner Art und Weise, Menschen zu beobachten. Sie werden immer auf zwei verschiedenen Ebenen betrachtet. Er zeigt, was sie tun und was sie miteinander sprechen, aber da ist auch noch etwas anderes zu sehen. In dem Film WARUM LÄUFT HERR R. AMOK? werden beispielsweise auch seltsame Farben und Belichtungen verwendet. Das ist ein Versuch gewesen, noch eine zusätzliche Ebene einzubauen. Man kann sagen, der Film ist ganz klar ein typischer Fassbinder-Film und zugleich auch wieder nicht. Das ist das Spannende daran.

Was fesselt dich persönlich an dem Stück WARUM LÄUFT HERR R. AMOK?
Ich finde es sehr spannend, dass unsere Inszenierung, die wir über eine komplexe Form vermitteln, immer noch sehr berührend bleibt. Das macht hierbei die besondere Qualität aus, denn das Theater verliert sich manchmal in seinem Umgang mit technischen Möglichkeiten. In dieser Inszenierung wird ebenfalls viel Technik eingesetzt, aber es ist dennoch einfach gehalten. Man erreicht eine Tiefe, die weit über die Oberfläche des Theaterspielens und des Codes, den wir für die Inszenierung entwickelt haben, hinausgeht.

Das Interview führten Beatrix Rinke und Natalie Adel

Zündstoff – Feuer frei für GESCHICHTEN AUS DEM WIENER WALD

Am 18. Oktober hatte unser Ensemble mit GESCHICHTEN AUS DEM WIENER WALD von Ödön von Horváth (Regie: Stephan Kimmig) Premiere – unsere fünfte Eröffnungspremiere. Wir haben die Fotoprobe von GESCHICHTEN AUS DEM WIENER WALD besucht und festgestellt, dass es sich um eine ziemlich explosive Produktion handelt. Wie das Feuerwerk, das der Zuschauer auf der Bühne sieht, hinter den Kulissen entsteht und welche Vorkehrungen getroffen werden, haben wir auf diesen Fotos festgehalten. Wir freuen uns auf eine Premiere, bei der nicht nur die Korken knallen!

Beatrix Rinke und Natalie Adel